Vegan und Welthunger

Die Frage, die beim Lesen dieser Überschrift, wohl den meisten in den Sinn kommt ist: „Was hat mein Stück Fleisch auf dem Teller mit den Hungernden Menschen am anderen Ende der Welt zu tun?“ Die Antwort dazu ist: sehr, sehr viel.

Weltweit hungern fast 850 Millionen Menschen, das ist etwa jeder Achte. Gleichzeitig gibt es heute mehr als genug Nahrung auf der Welt, um die gesamte Menschheit angemessen zu ernähren.  Mit dem Konsum von Fleisch und tierischen Produkten halten wir das Ungleichgewicht zwischen Wohlstands- und Entwicklungsländern aufrecht, und das hat zur Folge, dass die Essgewohnheiten der Reichen den Tod der Armen bedeuten.

Trog oder Teller

Die allermeisten „Nutztiere“ werden mit großen Mengen an Kraftfutter aus Getreide und Ölfrüchten wie Soja und Raps gefüttert. Nur 43 % der weltweiten Getreideernte dienen direkt als Lebensmittel. In der EU ist es sogar nur ein Viertel. In vielen Fällen könnten Mais, Weizen und andere Getreide unmittelbar für die menschliche Ernährung genutzt werden.

Der Großteil landet jedoch in den Futtertrögen von Rindern, Schweinen und Geflügel. Die zunehmende Verwendung von Getreide zur Kraftstoff- und Energiegewinnung verschärft das Problem, spielt aber gegenüber den Futtermitteln eine untergeordnete Rolle. Diese große Ressourcenverschwendung gilt es zu reduzieren – eine vegetarisch-vegane Ernährung verbraucht weniger Grundnahrungsmittel als eine fleischlastige Ernährungsweise.

Ressourcenverschwendung beim Ackerland

Zusätzlich zur unnötigen Verfütterung von für den menschlichen Verzehr geeignetem Getreide werden auf zahlreichen Flächen weitere Futtermittel angebaut. Da die Industrieländer ihren an Tierprodukten reichen Ernährungsstil nicht mit dem eigenen Futtermittelanbau decken können, nehmen sie riesige Flächen in anderen Weltregionen in Anspruch. Die EU nutzt für den Anbau von Soja auf anderen Kontinenten, etwa in Brasilien, Argentinien und Paraguay, Flächen, die mehr als einem Fünftel des eigenen Ackerlandes in der EU entsprechen. Die von der EU „importierte“ Fläche steht der dortigen Bevölkerung dann nicht mehr für den Lebensmittelanbau zur Verfügung. So muss Argentinien Nahrungsmittel importieren, weil die Hälfte seines Agrarlandes bereits mit dem Anbau von meist gentechnisch veränderten Sojabohnen als Kraftfutter belegt ist.

Weltweit wird insgesamt fast die Hälfte der nutzbaren Ackerflächen für den Anbau von Futtermitteln genutzt. Der Druck auf noch ungenutzte Flächen – oft Regenwaldgebiete – sowie auf Kleinbauern steigt gewaltig und führt zu Vertreibungen von Familien und Gemeinschaften sowie massiven Menschenrechtsverletzungen. Das unter dem Stichwort „Landgrabbing“ bekannt gewordene Aufkaufen immenser Ackerflächen von Konzernen, Regierungen oder Investoren geht wiederum meist zulasten der armen Landbevölkerung und verschärft die Hungerproblematik.

Eine verringerte Nachfrage nach Fleisch und anderen Tierprodukten in Industrieländern hätte positive Wirkungen auf den Ressourcenverbrauch – selbst wenn der Einfluss durch die steigende Nachfrage in anderen Ländern abgeschwächt würde. Denn das Konsumverhalten der Industriestaaten spielt weltweit eine bedeutende Rolle und hat eine wichtige Leitbildfunktion. Eine positive Veränderung in diesen Regionen könnte die nötigen Impulse liefern, die langfristig zu einem globalen Rückgang der Nachfrage nach Fleisch, Milch und Eiern führen.